PROLOG
Ich atmete schwer. Ängstlich sah ich mich um. Ich sah nur dunkle Schwärze. Hatte ich sie abgehängt? Die Monster von der anderen Seite…

Wie jeden Morgen und Abend hatte ich mit meiner Familien den Phönix gepriesen und ihm gedankt für seine Sonnenstrahlen, als aus den Schatten in der Ferne etwas auf uns zu kam. Wir hatten gewartet, wollten sie begrüßen… bis wir sahen was auf uns zu kam. Menschenähnlich, aber mit Köpfen wie Bären und Wölfen und manche hatten Tentakel und andere Schnäbel und Krallen. Wir rannten nach Hause und sahen, dass eine dunkle Wolke auf uns zukam. Im Schatten der Wolke noch mehr dieser Kreaturen. Und dann…

Nun war ich alleine. Verloren in der Nacht. Ich war in das Landesinnere gelaufen, da man sich erzählte, dass dort irgendwo das Herz des Phönix lag. Ein heiliger Platz wo der Phönix selbst ruht, ein Ort der weder dunkel noch kalt wird. Doch offensichtlich hatte ich den Ort noch nicht gefunden. Ein Knurren und Grollen erklang in der Dunkelheit. Wie weit es weg war? Ich lief keuchend weiter und betete: Phönix, Licht und Leben, zeige mir den Weg in der Dunkelheit. Großer Feuervogel ich bitte dich halte deine schützenden Schwingen über mich.” Ich schrie auf. Aus der Dunkelheit war reines Licht geworden und ich war geblendet, stolperte orientierungslos und hielt mir die Hände vor die Augen. “Die treue Flamme in deinem Herzen hat dir geholfen. Sieh mich an.” Langsam senkte ich die Hände und blickte in das Gesicht eines Mannes. Er schien beinahe von sich aus zu leuchten, aber auch um uns herum schien wie aus dem nichts ein Kreis von Kerzen erschienen zu sein. “Du suchst das Herz des Phönix - und du hast es gefunden. Hier bist du sicher.” “Bist du… bist du der Phönixpriester? Der eine Mensch, welcher den Phönix jemals gesehen hat?” “Ich bin nicht mehr als ein Medium. Ich versuche genauso wie ihr den Willen des Phönix zu ergründen.” Ich hörte Zweige knacken und zuckte zusammen. Noch immer erwartete ich jeden Moment eines dieser Monster aus dem Gebüsch springen zu sehen. “Sie sind noch immer da. In den Schatten. Warte hier mit mir bis zum Morgengrauen. Dann kannst du unbehelligt weiterziehen in eine der Städte.” Ich besah mir den Phönixpriester. Er war nicht bewaffnet und hatte kein Gepäck soweit ich es beurteilen konnte. “Was ist mit dir?” “Das Herz des Phönix ist schwach - ich muss bei ihm Wache halten.” “Aber… aber der Phönix ist unsterblich! Wie soll sein Herz schwach werden?” Ein mildes Lächelns breitete sich über das Gesicht des Priesters aus, als er begann Runen in den Boden zu zeichnen. “Das ist die Frage die ich selbst noch ergründen muss.” “Morgen werde ich in die nächste Stadt laufen und die Clans benachrichtigen! Gemeinsam können wir es schaffen, wie auch Fuchs, Adler, Eber und Wal gemeinsam vom Phönix beauftragt wurden die Welt in Ordnung zu halten.” Ein Tatendrang ergriff mich. Ja so würde sich all das Chaos abwenden lassen, dass über uns hereinbrach. Wenn nur alle Clans vereint wären und gemeinsam mit dem Phönixpriester die Ordnung wiederherstellten. “Ja du hast eine wirklich große und treue Flamme in deinem Herzen. Geh morgen früh und schicke mir alle, welche ein Herz wie deines haben!” Mitten in der Rune stoppte der Priester und seufzte. “Ich hoffe wir kommen nicht zu spät.” Er legte sich zur Ruhe und in mir brannten so viele Fragen, die ich loswerden wollte. Doch auch ich spürte die Erschöpfung meiner Flucht. Ich legte mich ebenfalls im Lichtschein der Kerzen nieder. Und ich träumte. Nicht von den Monstern und nicht von Schatten und nicht von unendlicher Kälte. Sondern von warmen Flammenzunge, die mich umarmten und wohlig ummantelten. Ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

Ich erwachte von den Sonnenstrahlen in meinem Gesicht und sah mich um. Der Priester war nicht zu entdecken, aber die Kerzen standen noch immer aufgereiht. Und im Tageslicht konnte ich noch etwas erkennen: Dort stand eine Runentafel. Ich konnte sie nicht lesen, aber der Auftrag die Menschen in der nächsten Stadt zu warnen erschien mir damit umso dringlicher. Auch wenn ich nun nicht mehr von Schatten gejagt wurde, rannte ich. Doch diesmal war es keine Mühe. Nein es war als würde ich vom Phönix getragen und war im Nu in der nächsten Stadt. Und dort traf ich all diese Menschen. Und allen erzählte ich was ich gesehen hatte- so wie dir jetzt.
DIE WELT
DIE URSPRUNGSFABEL
Seit Menschen Gedenken ist dies die erste Abschrift des Phönix

Im Anfang war das Chaos. Das Nichts war Dunkelheit und in der Dunkelheit war ein Durcheinander widerstreitender Elemente, jedes darauf bedacht, die anderen zu unterwerfen. Doch allein konnte keines die Oberhand gewinnen. So existierte nur die Unordnung, für ungezählte Äonen, ehe die Zeit begann.

Dann erschien am Horizont ein gleißendes Licht, dass die Dunkelheit vertrieb und das Chaos erhellte. Es war der große Phönix, dessen Ursprung in den Untiefen der Zeit verborgen liegt. Mit seinem Licht und Feuer vertrieb er die ewige Nacht der Urzeit. Er ordnete die Elemente, lehrte sie die Zusammenarbeit und, dass sie nur gemeinsam Großes vollbringen konnten. So wurde die Entstehung aller Dinge und allen Lebens ermöglicht.

Die Erde lehrte der Phönix, Nährboden und Heimat zu sein für alle Wesen, beständig und überdauernd. So entstanden die Welten.

Das Wasser lehrte er, Heilung und Kühlung zu sein und so entstanden Meere, Flüsse und Seen und der große Regen, der alles Leben wachsen lässt.

Dem Wind befahl er, Wandel zu bringen und Fortschritt und Botschaften zu tragen über alle Grenzen von Wasser und Erde.

Dem Feuer gab er die Aufgabe, Licht zu sein und Wärme, ohne die alle Anstrengungen der anderen Elemente in der Dunkelheit versinken würden. So wurde die Sonne geschaffen, der Mond und die Gestirne.

Als nun die Welten geschaffen waren, stieß der Phönix einen lauten Ruf aus, der über alle Welten hallte. Und seinem Ruf folgten aus allen Winkeln, entstehend aus allen Elementen, Lebewesen unterschiedlichster Art. Fische und Vögel, Insekten und Säugetiere, alle folgten sie seinem Ruf. Aus all diesen Wesen wählte der Phönix vier aus, die ihm besonders dienen sollten. Sie waren von ihm gesegnet und sollten seinen Willen und das Gleichgewicht in dieser Welt bewahren.

Unter den Kindern der Erde wählte er den Eber aus und sagte zu ihm: „Du, Eber, bist kraftvoll und standhaft. Durch alle Unbill sei Verlass auf dich, denn du kannst Wildheit erden. Wo du kämpfst, entsteht beständig tragfähiger Boden . Deine geerdete Beständigkeit rufe ich in meinen Dienst.“

Aus den Tiefen des Wassers rief er den Wal zu sich und sprach: „ Für das Wasser des Lebens, großer Leviathan, bist du Wal im Sturm der Gezeiten. Du tauchst in die Tiefen der Welt, wo Quellen der Heilung sprudeln. Deine überfließende Weisheit rufe ich in meinen Dienst.“

Aus der Luft bat er den Adler zu sich, dem er erklärte: „Von allen Wesen, Adler, reicht dein Blick über jeglichen Horizont am weitesten. Mit deinen weiten Schwingen siehst du Dinge, die anderen verborgen bleiben und kannst raten und mahnen. Deine himmlische Weitsicht rufe ich in meinen Dienst.“

Und aus dem Feuer erwählte der Phönix den Fuchs und sprach: „Intelligenz und List zeichnen dich aus unter allen Lebewesen. Flink zu verstehen gebe ich dir als Aufgabe und bis in die kleinsten Schlupfwinkel Verständnis zu verbreiten unter allem, was lebt. Deinen feurigen Scharfsinn rufe ich in meinen Dienst.“

So wurde die Welt geschaffen und bevölkert und eine Ordnung gebracht in das Chaos.

Als letztes aber, geboren aus einer großen Kraftanstrengung aller Elemente, kamen die Menschen. Ihnen allein offenbarte der Phönix sein gesamtes Wesen und bestimmte sie zu Hütern und Beschützern allen Lebens. Ihnen vertraute er das heiligste Relikt an, sein Ei. Denn wie alles Leben muss auch der Feuervogel reifen, erblühen, welken und vergehen, um dann wiedergeboren zu werden. Diesem Kreislauf ist alles unterworfen und auch der große Phönix kann dem nicht entgehen. Als dann die Schöpfung vollendet und die Ordnung geschaffen war, lebte der Phönix am Anfang der Zeit unter den Menschen. Er erleuchtete sie mit seinem Licht und Feuer und lehrte sie seinen Willen.

Mit den Jahren jedoch wurde er schwächer, seine Kraft schwand und sein Leuchten wurde dunkler. Eines Tages erlosch das Feuer des großen Phönix und das goldene Zeitalter kam zu einem jähen Ende. Zweifel und Dunkelheit übernahmen die Herrschaft über die Welt und nur die Erinnerung an den Phönix und seine Gebote halten sie in diesen Zeiten zurück. Es ist Aufgabe der Menschen, die Erinnerung wachzuhalten und das Licht zu bewahren, bis eines Tages der Phönix wiedergeboren wird aus der Asche und das Ei in Obhut der Priester endlich neues Leben hervorbringt.


Ich hätte gerne die Zeiten des Phönix erlebt, so es diese denn jemals gab. Alle halten mich für verrückt das alles aufzuschreiben! Dies ist die erste Seite meiner Chronik und ich bin gespannt was die Welt mich noch aufzuschreiben lehrt!

ROTE REVA